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18. Jan 2012

Eisvögel und Wasserverband

...und sie vertragen sich doch!

Als ich gestern unseren Hund auf unserer Wiese an der Gehle mit dem Frisbee müde gekämpft hatte bemerkte ich auf der anderen Uferseite zwei Männer mit Motorsägen. Offenbar sollte es den dort stehenden alten Weiden an den Kragen gehen. "Na toll", dachte ich, "der einzige Flußabschnitt hier mit tiefen Weiden findet wohl nun sein Ende. Schade um die Eisvögel!" und machte mich auf den Heimweg.
Aber es kam anders :-)

Dazu sollte ich erwähnen das tags zuvor ein sehr freundlicher NABU-"Klinkenputzer" bei uns war und um Spenden oder eine Mitgliedschaft im NABU gebeten hat. Er hat von mir nichts bekommen, aber wir haben uns eine Weile sehr gut unterhalten. Dabei sagte ich ihm, dass wir grundsätzlich kein Geld an der Haustür verteilen, sondern - er möge doch bitte die Storchennester, die Hornissenkästen, den naturnahen Garten bemerken - handeln.

An dieses Gespräch erinnerte ich mich. Peinlich genug, dass ich erst dieser Erinnerung gebrauchte, aber ich drehte um und sprach die Mitarbeiter des Wasserverbandes Weserniederung an. Es war so wie ich vermutete, die tief hängenden Äste der Weiden sollten weg, sie störten den Bagger auf seiner halbjährlichen "Säuberung" entlang des Ufers.
Nach dem Hinweis auf die seit ein paar Jahren dort lebenden Eisvögel, die in diesen tiefen Ästen die einzigen Jagdansitze weit und breit haben, erlebte ich eine faustdicke Überraschung, denn eigentlich wollte ich nur darauf hinaus, das Naturschutzbewußtsein der Leute zu stärken: Einer der beiden holte sein Telefon aus der Tasche und rief seinen Chef an, um das weitere Vorgehen zu erfragen.

Ich war so überrascht, weil ich vor einiger Zeit schon ein paar Mal mit dem Wasserverband Weserniederung zu tun hatte, und damals machte mir der Verein eher den Eindruck, dass die vorhandenen Wasserläufe vor allem zu einem Zweck dienen und erhalten werden sollten: schnelle Entwässerung der anliegenden Äcker, und wer da reinreden wollte, erntete gepflegte Missachtung.

Der angerufene Chef holte sich dann noch weitere Hilfe eine Etage weiter oben, bevor er per Telefon verlauten ließ, dass die Aktion erst mal gestoppt sei und er gleich käme um die Lage zu besprechen und zu begutachten.

Tja, und die Ergebnisse des Gesprächs waren dann

1. dass es sich gar nicht so sehr um die Behinderung des Baggers drehte, sondern vielmehr um den ganzen Schmodder, den die tiefhängenden Äste bei Hochwasser ansammeln und dann als großen Plaggen wieder entlassen. Diese Plaggen müssen dann einige Kilometer weiter in Ilse per Hand aus der Gehle gefischt werden, weil dort der Bagger nicht an den Fluß herankommt.
2. dass einige schwächere über dem Wasser hängenden Äste bleiben können und die anderen nur soweit gekürzt werden, dass nix mehr im Wasser hängt.

Die Eisvögel werden also weiter ihre Ansitze haben und hoffentlich wieder brüten dieses Jahr. Und der Wasserverband muss nicht so viel Kram aus der Gehle fischen. Schön, wenn solche Sachen nicht über den langen Diestweg gehen müssen :-)

Das bei dem Gespräch dann noch Nachbars Planung von der Renaturierung der alten Gehlefurt in Bierde und deren Bedeutung für die neuangesiedelten Störche einen neuen Platz im Bewußtsein des Wasserverbandes fand sei nur noch nebenbei erwähnt. Mal sehen, was daraus wird, die Maßnahme ist schließlich bereits seit 2002 im Landschaftsplan enthalten.

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